Mehr als 150 Mio. Euro EU-Förderung für maritime Forschung und Entwicklung in Deutschland

Im Rahmen des europäischen Forschungsrahmenprogramms Horizont 2020 haben die maritimen Teilbranchen in den Jahren 2014 - 2020 Fördermittel für vielfältige Projekte im gesamten Bundesgebiet akquiriert.

Die maritime Branche in Deutschland nutzt zur nachhaltigen Steigerung von Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft neben regionalen und nationalen auch europäische Förderprogramme. Sie begleiten die Transformation der Branche durch finanzielle Förderung, inhaltliche Impulse, Markt- und Technologieerkundung und Eröffnung verschiedener Kooperationsmöglichkeiten an der Schnittstelle zwischen Industrie und Wissenschaft. Welche Rolle spielen europäische Förderprogramme konkret für maritime Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland?

Auf Basis der CORDIS-Datenbank der Europäischen Kommission sowie weiterer Angaben auf öffentlich zugänglichen Seiten der geförderten Projekte und Akteure hat das Deutsche Maritime Zentrum ein Datenanalyse-Tool mit zu Beginn rund 700 Datensätzen entwickelt, das die Teilnahme der deutschen maritimen Branche an geförderten EU-Projekten seit 2014 abbildet. Diese werden kontinuierlich um Informationen zu zukünftiger EU-Förderung ergänzt. Neben den quantitativen Analysen beschäftigt sich das Deutsche Maritime Zentrum mit den nötigen qualitativen Einschätzungen zur Effizienz der EU-Förderung und deren Verzahnung mit nationalen und regionalen Förderprogrammen.

Für den Bereich Forschung und Entwicklung ist das europäische Forschungsrahmenprogramm (FRP) von übergeordneter Bedeutung. Quantitative Analysen des nun auslaufenden FRP Horizont 2020 zeigen, dass in seinem Rahmen in den letzten sieben Jahren ein Fördervolumen von mehr als 150 Mio. Euro an nicht rückzahlbaren Zuschüssen für maritime Forschung und Entwicklung in Deutschland gewonnen werden konnte. Die geförderten Projekte illustrieren die Vielfalt des maritimen Standorts Deutschland in vielerlei Hinsicht:

  • Es wurden knapp 200 Akteure aus Forschung, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand in mehr als 120 Projekten gefördert. Forschungsinstitute haben mit rd. 40% den größten Anteil am Fördervolumen erhalten, gefolgt von großen Unternehmen (rd. 25%) und KMUs sowie Wissenschaftseinrichtungen (je rd. 15%). Zu den größten Fördermittelempfängern gehörten u.a. die Helmholtz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, MAN Energy Solutions, das Deutsche Zentrum für Luft – und Raumfahrt, die Hamburgische Schiffbau-Versuchsanstalt, das Center of Maritime Technologies1, die Universität Bremen, die Meyer Werft sowie Balance Technology Consulting.
  • Die geförderten Projekte betreffen alle maritimen Teilbranchen: je etwa ein Drittel des Fördervolumens können der Meerestechnik und dem Schiffbau zugeordnet werden, knapp ein Viertel der Schifffahrt und die verbleibenden rd. 10% der Teilbranche Häfen und Logistik.
  • Maritime Forschung und Entwicklung findet deutschlandweit statt: rd. 50% der Fördermittel gingen an Akteure aus den fünf norddeutschen Bundesländern, gefolgt von rd. 25% für Bayern und Baden-Württemberg. Die verbleibenden 25% verteilten sich auf die anderen Bundesländer.
  • Die geförderten Projekte befassen sich mit einem breiten Themenspektrum wie innovativen Antriebssystemen und alternativen Kraftstoffen, Meereskunde, Polartechnik, naturbasierten Lösungen für erhöhte Klimaresilienz, Erforschung maritimer Ökosysteme, neuen Materialien und Beschichtungen im Schiffbau, Autonomen Maritimen Systemen, Optimierung von Logistikprozessen und Überwachung maritimer Transportwege.

Es zeigt sich, dass die deutsche maritime Branche solide im EU-Förderumfeld für Forschung und Entwicklung verankert ist und diese Position in den nächsten sieben Jahren im laufenden FRP Horizont Europa ausbauen kann. Der neue EU-Haushalt (der Mehrjährige Finanzrahmen für die Jahre 2021-2027) wurde zu Jahresbeginn verabschiedet, die ersten Förderausschreibungen sind seit wenigen Wochen veröffentlicht.

Es werden erhöhte Fördermittelvolumina zur Verfügung stehen, u.a. im Rahmen der ko-programmierten Zero-Emission-Waterborne Transport-Partnerschaft (ca. 530 Mio. Euro), der ko-finanzierten Blue-Economy-Partnerschaft (ca. 150 Mio. Euro) und weiterer Ausschreibungen der Arbeitsprogramme der Cluster „Klima, Energie, Mobilität“, „Lebensmittel, Bioökonomie, natürliche Ressourcen, Landwirtschaft und Umwelt“ und „Digitalisierung, Industrie und Weltraum“ sowie über den Europäischen Forschungsrat und den Europäischen Innovationsrat.

Ansprechpartner/-in

1) Seit dem 1.3.2020 ist das Center of Maritime Technologies (CMT) als gGmbH Teil des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik e.V. (VSM).