Hightech und Umweltfreundlichkeit sind kein Widerspruch, sie gehen Hand in Hand

Weniger Sprit zu verbrauchen ist rentabel. Grün heißt Effizienz und Weiterentwicklung und wirtschaftlicher Vorteil, sagt Christian Jochum, Ph.D., vom ENSTA Bretagne.

Christian Jochum
Christian Jochum,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?

Ich bin Professor im Bereich Schiffsarchitektur und Schiffsbau und beschäftige mich vor allem mit der Struktur. Das heißt, wenn es einen Schiffsentwurf gibt und man sich fragt: Kann man das so bauen, bzw. mit dieser Architektur und aus welchem Material? Kann man ein anderes, leichteres Material als Stahl nehmen? Dann berechne ich die Materialfestigkeit, wieviel Last hält es aus etc. Daran arbeiten wir zusammen mit den Strömungsmechanikern. Dazu erforschen wir ganz neue Arten von Zusatzantrieb-Systemen, um weniger Kraftstoff zu verbrauchen. Wir haben etwa ein großes Forschungsprogramm namens „Beyond the Sea“ mit dem ehemaligen Skipper Yves Parlier, zu sogenannten Kites, riesige Luft-Drachen genauso wie beim Kitesurfen, die auf einem Schiff nach Bedarf aufgefaltet werden können.

Welche Verbesserungen bringt das für die maritime Branche?

Beides, also leichtere Materialien und Kites, sind Wege, weniger Kraftstoff zu verbrauchen. In einem weiteren Forschungsprojekt: „Motorways of the Sea“. geht es darum, Kurzstreckentransporte über See in Zukunft ohne Sattelschlepper durchzuführen. Das heißt, wir denken darüber nach, fertig beladene Anhänger an das Schiff anzudocken: roll on – roll off, heißt dieser Prozess. Und wenn es irgendwo ankommt, übernimmt ein anderer Sattelschlepper. Das ist ein neues Konzept, das von Ingenieuren und Wirtschaftlern zusammen entwickelt wurde.

Was fasziniert Sie daran?

Forschung zu betreiben, die nicht für die Schublade ist. Ich möchte keine Papers schreiben, die niemandem helfen. Ich freue mich, wenn ich zusammen mit Partnern aus der Industrie helfen kann, umweltfreundlichere Verfahren einzuführen oder neue Unternehmen aufzubauen mit Erfindungen wie den „Motorways of the Sea“.

Was wird in der maritimen Forschung wichtig in den nächsten fünf Jahren?

Es wird wichtig, dass wir unseren Vorsprung in Europa bewahren und uns nicht auf unseren Erfolgen ausruhen. Wir bleiben nicht wettbewerbsfähig, wenn wir nur günstige Schiffe mit niedrigtechnischer Ausrüstung bauen. Das können andere, vor allem China, mittlerweile auch. Wir müssen weiter denken, das heißt High Tech, das heißt aber auch Dinge wie die „Motorways of the Sea“. Und die Zukunft liegt in der Umweltfreundlichkeit.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?

Ich würde gerne betonen, dass diese beiden Dinge, hochgeschliffene Technik und Umweltfreundlichkeit kein Widerspruch sind. Im Gegenteil, sie gehen Hand in Hand. Viele Leute denken bei Umweltschutz oft an Beschränkungen. Aber es ist nicht nur das. Weniger Sprit zu verbrauchen ist auch rentabel. Grün heißt auch Effizienz und Weiterentwicklung und wirtschaftlicher Vorteil.

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