Informationstechnik wird immer wichtiger

Ein Gespräch mit Anisa Rizvanolli vom Fraunhofer Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen über die voranschreitende Vernetzung vieler Systeme.

Anisa Rizvanolli
Anisa Rizvanolli,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?

Ich bin Informatik-Ingenieurin und vereinfacht gesagt, beschäftige ich mich mit der Berechnung von Stundenplänen für Seefahrer. Das heißt: Wie kann man den Einsatz von Seefahrern auf Schiffen effizienter planen, sodass sie ihre Ruhezeiten einhalten und gleichzeitig alle notwendigen Aufgaben für einen sicheren Schiffsbetrieb erledigen können. Klingt sehr einfach, ist es aber nicht. Bisher wird das manuell gemacht und das führt zu Problemen. Es geht um Containerschiffe mit mehr als 10.000 Containern, da gibt es viel zu tun und das ist per Hand schwer zu planen. Im Moment gibt es deshalb eine Bewegung dahin, in diesem Bereich Optimierungstools zur Unterstützung der Planungsentscheidungen verstärkt ein zu setzen.

Welche Verbesserung bringt das für die maritime Wirtschaft?

Viele Schiffe fahren heute mit sehr wenig Crew, obwohl sich der Arbeitsaufwand aufgrund der Größe und der deutlich engeren Hafenreihenfolgen im Laufe der Jahre drastisch erhöht hat. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Crew übermüdet ist, auch deutlich höher geworden. Das steigert die Risiken für Unfälle und deswegen werden die Schiffe seit 2014 verstärkt in Bezug auf die Arbeitsstunden kontrolliert. Wenn die Ruhezeiten nicht eingehalten werden und Kontrolleure solche Unregelmäßigkeiten feststellen, ist das schlecht sowohl für die Finanzen als auch für die Reputation der Reederei und generell für alle Beteiligten.

Bestimmte hochkomplexe Aufgaben müssen zu bestimmten Zeiten von jemandem erledigt werden, der dafür qualifiziert und ausgeruht ist. Bei einer Hafenanfahrt zum Beispiel muss die gesamte Mannschaft über mehrere Stunden mitarbeiten und wenn man dann im Hafen ist, muss immer noch die Hälfte der Mannschaft bereitstehen, um alle Hafenprozesse zu begleiten und Aufgaben zu erledigen. Es ist nicht möglich, alle diese Anforderungen manuell in einem optimalen Plan einfließen zu lassen. Optimal berechnete Pläne bieten nicht nur Planungssicherheit, sondern auch eine Grundlage für Entscheidungen, die bisher auf geschätzten Erfahrungswerten basierten.

Was fasziniert Sie daran?

Das Beste ist, dass dieses Problem mathematisch schön beschrieben und modelliert werden kann. Somit können wir mithilfe von theoretischen Grundlagen Menschen in ihrer Praxis wirklich helfen, indem man ihnen Pläne vorschlägt, die ihr Leben besser machen.

Was wird in der maritimen Forschung wichtig in den nächsten fünf Jahren?

Informationstechnik wird immer wichtiger, die Vernetzung vieler Systeme wird voranschreiten und die Internetverbindung auf den Schiffen wird besser werden. Generell werden Entscheidungsunterstützungssysteme eine größere Rolle als bisher spielen.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?

Es gibt die Idee, manchmal auch bei den Reedereien, die uns beauftragen, dass die Mathematik jedes Problem von Zauberhand lösen könnte. Und da muss ich oft erklären, dass manche Probleme so schwierig sind, dass es bisher nicht möglich ist, eine ideale, globale Lösung zu finden. Zur Komplexität dieser Probleme aus mathematischer Sicht werde ich nie gefragt.

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