Man bedenkt oft das Manövrieren in Glattwasser, dabei sind Wellen doch eher der Regelfall

Ein Gespräch mit Sebastian Uharek vom Fachbereich. Dynamik Maritimes Systeme an der Technischen Universität Berlin über die Manövrierfähigkeit von Schiffen im Seegang.

Sebastian Uharek,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?

Ich forsche in dem Bereich “Prognose der Manövrierfähigkeit von Schiffen”, insbesondere der Manövrierfähigkeit im Seegang. Das heißt, es geht darum, in einem frühen Stadium, bevor das Schiff gebaut wird, sagen zu können: Wie wird das Schiff später manövrieren? Wird es die gesetzlichen Regularien erfüllen? Beim Manövrieren in Wellen gibt es noch gar keine Regularien, da geht es auch um die Frage: Muss man welche schaffen? Meine Aufgabe ist, numerische Tools zu entwickeln, mit denen man das prognostizieren kann.

Welche Verbesserungen bringt das für die maritime Branche?

Die Methoden an denen ich arbeite, befinden sich momentan noch im Forschungsstadium, bewegen sich aber langsam auf den praktischen Sektor zu. Zum einen finden numerische Simulationen derzeit schon immer mehr Anwendung im maritimen Bereich, da sie eine relativ effiziente Möglichkeit darstellen, Dinge vorherzusagen oder viele Variationen ausprobieren. Die Alternative wäre, das ganze experimentell zu untersuchen. Das wäre aber relativ aufwändig. Daher ist es gut, wenn man dafür ein robustes numerisches Verfahren hat, das ist von großem Vorteil, weil man mehr Fälle untersuchen und dadurch die Sicherheit erhöhen kann. Und der zweite Punkt ist, dass unser Wissen über das Manövrieren im Seegang noch am Anfang ist, man bedenkt oft nur das Manövrieren in Glattwasser, dabei sind Wellen doch eher der Regelfall.

Was fasziniert Sie daran?

Ich finde es faszinierend, dass man mit dem Computer die Umströmung um ein Schiff berechnen kann, inklusive all der verschiedenen Strömungsphänomene, die sich da ausbilden. Insbesondere beim Manövrieren ist das interessant: An einem driftendem Schiff zum Beispiel bilden sich viele verschiedene Wirbel und lösen sich ab. Unter anderem deswegen hat man hinten am Ruder eine relativ komplexe Umströmung. Dieses sehr komplexe System kann man allein durch Lösung von Differenzialgleichungen erfassen.

Was wird in der maritimen Forschung wichtig in den nächsten fünf Jahren?

Zum einen wird der Sicherheitsaspekt sicherlich ein wichtiges Thema bleiben. Zum anderen sollte man sich mehr damit beschäftigen, wie man das ganze umweltfreundlicher gestaltet. In der Schiffs- und Meerestechnik stellt sich beispielsweise die Frage: Wie kann man die Energie, die im Meer steckt, nutzen für die Bereitstellung von sauberer Energie? Außerdem wird die Automatisierung von Prozessen ein wichtiger Schritt sein. Die Optimierung von Autopiloten ist übrigens auch etwas, wo man diese Erkenntnisse zum Manövrieren im Seegang gebrauchen könnte.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?

Was mich beunruhigt, insbesondere im Wissenschaftsbereich, ist die steigende Anzahl von Publikationen und der Druck, als Wissenschaftler ständig zu publizieren. Ich glaube, wenn man darüber nachdenkt, welche Forschung uns weiterbringt, ist es nicht das richtige Kriterium, die Zahl der Publikationen statt deren Inhalt zu messen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unseren Datenschutzbestimmungen zu.