Das öffentliche Erdgasnetz bietet eine Infrastruktur für Transport und Verteilung des synthetischen Erdgases

Philip Schmit (Fakultät für Ingenieurwissenschaften, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes) über BEST – ein Biotechnologisches Verfahren zur Erzeugung von synthetischem Erdgas

Philip Schmit,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?
Wir haben am Institut für Technologietransfer FITT der htw saar mit dem BioEnergySTorage (BEST)-Prozess ein Verfahren entwickelt, in dem Mikroorganismen CO₂ zusammen mit Wasserstoff zu synthetischem Erdgas (SNG) umwandeln. Das CO₂ kann in dem Prozess aus Emissionen industrieller Prozesse stammen und zugleich dazu beitragen, CO₂-Emissionen zu senken. Bei der Nutzung des synthetischen Erdgases, z.B. als Liquified Natural Gas (LNG), in der maritimen Branche wird nur so viel CO₂ freigesetzt, wie zuvor durch die Organismen im Methan gebunden wurde. Da die Nutzung von synthetischem Erdgas fossiles Erdgas ersetzt, erfolgt die Nutzung von SNG/LNG als CO₂-neutraler Energieträger.

Welche Verbesserungen bringt das (für die maritime Branche)?
Die Nutzung von LNG ermöglicht eine signifikante Reduzierung der Emissionen von Schwefel- und Stickstoffverbindungen. Wenn wir synthetisches Erdgas verwenden, wird die Nutzung darüber hinaus CO₂-neutral. Das synthetische Methan kann gleichermaßen zum Antrieb wie auch zur Stromgewinnung an Bord von Schiffen verwendet werden.

Was fasziniert Sie daran?
Mit dem öffentlichen Erdgasnetz steht bereits eine Infrastruktur für den Transport und die Verteilung des synthetischen Erdgases zur Verfügung. Dieses muss also nicht unbedingt im Hafen produziert und direkt auf den Schiffen genutzt werden. Es kann an beliebigen Standorten (z.B. in der Nähe großer CO₂-emittierender Industriebetriebe) erzeugt werden, an denen geeignete Bedingungen herrschen. Die Herstellung des Wasserstoffs in der Elektrolyse kann dabei zusätzlich so erfolgen, dass das elektrische Netz gezielt entlastet oder erneuerbare Energie unmittelbar zur Gewinnung des SNG genutzt wird.

Was wird in Ihrem Forschungsbereich wichtig in den nächsten fünf Jahren?
Die BEST-Technologie wird derzeit im halbtechnischen Maßstab erprobt. In den kommenden Jahren wollen wir den Prozess in großtechnischem Maßstab umsetzen. Entscheidend dafür wird sein, dass die Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass CO₂-neutrale Technologien gegenüber herkömmlichen Technologien wirtschaftlich konkurrenzfähig werden. Dazu braucht es auch den Mut der Anwender, innovative und nachhaltige Technologien einzusetzen und „BEST-practice“ Modelle zu erproben.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?
Wenn die CO₂-Emissionen weltweit und nachhaltig gesenkt werden sollen, um den Klimawandel auf ein akzeptables Niveau zu begrenzen, müssen kohlenstoffbasierte Energieträger nicht in jedem Prozess unmittelbar vor Ort vermieden werden. Entscheidend ist vielmehr, dass die Summe der Emissionen durch die Verwertung fossiler Energieträger aller Sektoren, Staaten und Prozesse gesenkt wird. Auf den maritimen Sektor übertragen bedeutet dies, dass ein CO₂-neutraler Einsatz von LNG in der Schifffahrt auch möglich ist, wenn Rückgewinnung von CO₂ aus leichter zugänglichen Prozessen an Land erfolgt und das Erdgas über das Erdgasnetz in die Häfen transportiert wird.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unseren Datenschutzbestimmungen zu.