Mit der Drohne können wir gezielt nach Menschen im Wasser, aber ebenso nach Hinweisen auf ein Unglück suchen

Thomas Lübcke von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und sein Kollegen Philipp Gorczak, vom Lehrstuhl für Kommunikationsnetze an der Technischen Universität Dortmund über ihr Forschungsgebiet

Woran forschen Sie?

Lübcke: Wir sind ein Verbundforschungsprojekt, in dem es darum geht, ein unbemanntes Luftfahrtsystem, Sie können auch sagen, eine Drohne, so weit zu ertüchtigen, dass sie für die Seenotrettung eingesetzt werden kann. Dafür befassen wir uns zum Beispiel mit Aerodynamik, mit dem Betrieb einer Multisensorplattform und mit Telemetrie, also, wie man Daten von draußen über dem Meer über lange Distanzen an Land übertragen kann.

Welche Verbesserung bringt das für die maritime Branche?

Lübcke: Bisher gibt es kein vergleichbares Gerät – es würde unsere Arbeit aber sehr verbessern. Wir operieren oft sehr weit draußen auf See, was teilweise mit erheblichen Anfahrtszeiten verbunden ist. Werden wir alarmiert, könnte das Fluggerät schon mal vorausfliegen wie ein Fährtenhund und frühzeitig mit der Suche beginnen. Denn die erste Herausforderung ist ja, die Personen in Not zu finden. Bemannte Rettungshubschrauber können und dürfen nicht bei jedem Wetter, etwa bei Nebel oder auch nachts fliegen und würden auch nur wenig sehen. Handelsübliche Drohnen sind weder allwettertauglich, noch bieten sie angemessene Flugzeiten. Unser Fluggerät fliegt drei Stunden und kann auch bei Nacht und Nebel suchen, denn es sucht mit Sensorik, mit Kameras, wir können die Szenerie mit einem Laser im nahen Infrarotbereich beleuchten. Mit der Drohne können wir gezielt nach Menschen im Wasser aber ebenso nach Hinweisen auf ein Unglück suchen, wie Fischkisten, Wrackteile, Ölflecken, etc. Und es macht noch mehr: Die Bilder können an Land übertragen und ausgewertet werden. Außerdem kann es schwache elektronische Signale empfangen, wie sie zum Beispiel von Handys auf der Suche nach Netz ausgestrahlt werden. Die Drohne kann wie eine fliegende Funkzelle agieren, das Handy bucht sich in deren Netz ein und wir können eine Kommunikationsverbindung aufbauen.

Was fasziniert Sie daran?

Gorczak: Ich komme aus der Robotikforschung und kann sagen, aus der Perspektive des Wissenschaftlers ist das Thema Seenotrettung sehr interessant, weil es erstens einer der besten Zwecke ist, für den man forschen kann, Menschenleben retten. Und zweitens, weil es so einfach ist, Leuten zu vermitteln, woran man forscht und was es für einen konkreten Nutzen hat. Es geht am Ende nicht um Tausende Seiten Bericht, sondern darum, dass das Ding fliegt.

Was wird in den nächsten fünf Jahren wichtig in der maritimen Forschung?

Lübcke: Das Thema Green Shipping, also umweltfreundliche maritime Technologien, rückt zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Aber auch die Themen Kommunikation, Satellitendienste für den maritimen Sektor oder maritime Simulation werden wichtiger. Viel Potenzial gibt es zudem bei sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Fragestellungen im Bereich Human Factors und Crew Resource Management.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?

Lübcke: Ich höre immer wieder: Ach, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger forscht auch? Von daher würde ich gerne sagen: Ja, wir forschen auch!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies und unseren Datenschutzbestimmungen zu.