Systeme für autonome Schifffahrt können menschliche Fehler reduzieren und den Verkehr effizienter zu machen

Ein Gespräch mit Sebastian Feuerstack vom OFFIS Institut für Informatik (Oldenburg) über seine Beschäftigung mit sicherheitskritischen Systemen.

Sebastian Feuerstack
Sebastian Feuerstack,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?

Ich komme vom Oldenburger Institut für Informatik. Wir beschäftigen uns mit IT, im Speziellen mit sicherheitskritischen Systemen. Damit sind solche Systeme gemeint, bei denen, wenn ein Fehler passiert, Schaden für Menschen, Maschinen oder investierte Mittel entsteht, der so groß ist, dass man Vorkehrungen treffen möchte. Das machen wir in verschiedenen Bereichen und ich im Bereich Verkehr. Hier forschen wir speziell an den Systemen für autonome Schifffahrt, mit denen die Chancen steigen, menschliche Fehler zu reduzieren und den Verkehr effizienter zu machen.

Welche Verbesserung bringt das für die maritime Branche?

Auf Englisch unterscheidet man zwischen Safety und Security. Mittels Safety versucht man, die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Unfalls zu reduzieren und Security heißt, dass auch die Software selbst vor unerlaubten Zugriffen geschützt ist. Wir entwickeln und prüfen Systeme für beides. Und wir stellen hier eMIR vor, eine maritime Technologieplattform. Es ist hier die Idee, dass auch kleine oder mittelständische Unternehmen die Chance haben Ihre Produktideen auf einer umfangreichen technischen Infrastruktur zu testen. Das ist ähnlich wie in der medizinischen Forschung, da muss man ausführliche Studien machen bevor man ein Produkt auf den Markt bringt. Man sollte sich sicher sein, dass ein autonomes System auch sicher ist. Und dazu haben wir mit eMIR die Möglichkeit. Wir haben eine Strecke an der unteren Elbe bis nach Wilhelmshaven, auf der wir den Verkehr beobachten können. So kann auf die Simulation am Computer auch der Test in der Realität folgen.

Was fasziniert Sie daran?

Mich fasziniert, dass wir angewandte Forschung zusammen mit Experten und Profis aus der Praxis machen. Das heißt z.B., dass wir sie zu uns ins Institut einladen, damit sie in einem Simulator ein Schiff führen und wir können die Schiffsführung dabei genau beobachten. Insbesondere das Thema Autonomie begeistert mich, weil es eine Chance ist, menschliche Fehler zu vermeiden und damit menschliche Leben zu schützen. Außerdem können autonome Schiffe effizienter und schonender fahren, dadurch schützen wir Ressourcen und reduzieren die Belastung für die Anwohner – zum Beispiel in einer Hafenstadt wie Hamburg.

Was wird in der maritimen Forschung wichtig in den nächsten fünf Jahren?

Das ist sicherlich Vieles, aber ich würde die Automatisierung hervorheben. Und damit auch die Sicherheit der Systeme. Da man zunehmend Software anwendet um Schiffe zu steuern, muss man auch darüber nachdenken, wie man deren Softwaresystems schützt. Es sind ja nicht immer nur einzelne Angreifer, es können auch Staaten sein, die sich feindlich verhalten und in diese Systeme eindringen wollen. Die maritime Sicherheit ist eine kritische Infrastruktur für Deutschland und die müssen wir schützen.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?

Ich finde, dass wir uns als Forscher auch immer rechtfertigen sollten, warum wir etwas tun. Grundlagenforschung hat ihre Daseinsberechtigung. Aber ich finde es wichtig, sich zu überlegen: Welchen Nutzen erzeugt man? Das rückt einen auch immer wieder ein bisschen gerade.

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