Wir versuchen die Technologien aus anderen Bereichen auf die maritime Logistik umzusetzen

Ein Gespräch mit Prof. Dr. -Ing. Holger Schütt vom Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik über seine Forschungsarbeiten.

Prof. Dr. Dipl.-Ing Holger Schütt
Prof. Dr. Dipl.-Ing Holger Schütt,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?

Das ISL forscht in vielen Bereichen, unter anderem Maritime Intelligence, Maritime Security, Maritime Transport Chains und Maritime Environment. Und ich vertrete die Maritime Simulation. Das heißt, wir simulieren am Computer den Ablauf am Terminal, wo werden wann welche Container eingelagert? Welche Geräte übernehmen welche Jobs? etc. Und das gleiche machen wir auch für die Schiffe im Hafen. Da geht es darum, die Schiffe fahren zu lassen, wo baue ich einen Terminal und was bedeutet das z.B. für den Köhlbrand? Muss der erweitert werden?

Welche Verbesserung bringt das für die maritime Wirtschaft?

Die Abläufe an komplexen Umschlagsanlagen überblickt ein einzelner Mensch nicht mehr. Dort gibt es hochkomplexe Steuerungssysteme und wenn Sie an denen etwas ändern wollen, das übersteigt das Verständnis des Einzelnen. Mit diesen Simulationsprogrammen kann man unter Laborbedingungen neue Strategien ausprobieren. Ein Betreiber hat uns mal gesagt: Wir verändern immer nur ein, zwei Stellschrauben und dann warten wir zwei Monate, ob sich das Ergebnis auch am Boden zeigt. Mithilfe der Simulation kann man natürlich viel schneller neue Strategien bewerten. Und zudem in die Zukunft gucken: Was passiert in den nächsten zwei Tagen? So kann ich die Personalplanung anpassen.

Was fasziniert Sie daran?

Dass es angewandte Forschung ist. Wir entwickeln keine neuen Gerätetypen, sondern wir versuchen die Technologien aus anderen Bereichen auf die maritime Logistik umzusetzen, so wie etwa mit der Simulationstechnik.

Was wird wichtig in der maritimen Forschung in den nächsten fünf Jahren?

Ich würde zwei Punkte aus dem großen Thema Digitalisierung herausheben. Digitalisierung bedeutet, immer mehr Daten werden jedem Teilnehmer an der Transportkette zur Verfügung gestellt. Da wird es einmal wichtig, diese Daten zu verarbeiten und für die eigenen Prozesse zu nutzen. Zum Beispiel für die Vorschau. Das Schiff fährt ja schon zwei bis drei Wochen bevor es ankommt in China los, das heißt, eigentlich ist bekannt, was wann kommt. Das steigert die Effizienz enorm, das mehr zu nutzen für die Vorausschau, etwa: Worauf müssen sich die LKW einstellen, was bedeutet das für die Hinterlandtransporte? Und der andere wichtige Faktor ist, diese Datenströme auch abzusichern. Ich möchte ja nicht, dass mein Konkurrent, ein anderer Reeder weiß, welche Waren ich wann von wo nach wo fahre. Das Thema Blockchain wird hier wichtig für die Absicherung dieser Daten.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber mal gerne sagen?

Im Augenblick bin ich ein bisschen irritiert über die große Automatisierungswut. Auch das Thema künstliche Intelligenz lebt gerade wieder groß auf. Ich warne aber ein bisschen davor, sich davon kurzfristig zu viel zu erhoffen. Ich denke, es wird womöglich noch Jahrzehnte dauern bis solche Anlagen vollständig von Computern gelenkt werden. Wir brauchen noch viele Jahre den Menschen als Strategen dahinter. Die Intelligenz sitzt meines Erachtens immer noch vorm Computer, die ist noch nicht in den Computer gewandert.

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