Wir zerlegen das autonome Schiff in die Einzelteile und überlegen, was man verändern muss

Dr. Rainer Henking von der EurA AG

Rainer Henking
Rainer Henking,
© Bina Engel

Woran forschen Sie?

Henking: Wir forschen gar nicht, wir betreuen ein Netzwerk. Das Netzwerk „Systeme und Komponenten für autonome Schiffe“. Darin haben sich zurzeit 13 mittelständische Unternehmen, 4 Forschungseinrichtungen und 2 öffentliche Einrichtungen sich zusammengefunden, um Forschungsthemen, Entwicklungsthemen im Bereich autonome Schiffe zu bearbeiten, zu entwickeln und auch konkret umzusetzen. „Systeme und Komponenten für autonome Schiffe“ heißt: Wenn man sich ein Schiff anschaut, dann findet man Antriebstechnik, Satellitentechnik, Radartechnik, eine Klimaanlage, tausend verschiedene technische Systeme. Und wenn ein Schiff autonom fahren soll, dann muss ja jedes Teilsystem davon auch autonom einsetzbar sein. Es reicht ja nicht, wenn die Navigation automatisiert ist, denn ich habe ja keine Crew mehr an Bord, das heißt auch die Wartungs- und Überwachungsthemen müssen automatisiert funktionieren. Wir zerlegen das autonome Schiff in die Einzelteile und überlegen, was man verändern muss.

Welche Verbesserung bringt das für die maritime Wirtschaft?

Henking: Die Netzwerk-Mitglieder sind technologieorientierte mittelständische Unternehmen, die irgendeine kleine Teil-Technologie entwickelt haben, die irgendwas sehr gut können, die aber oft das Problem haben, die Technologie in die maritime Wirtschaft zu bringen. Und dabei unterstützen wir auch: Technologien, die vorhanden sind, Werften und Reedereien vorzustellen. Also Reedereien etwa zu fragen: Was braucht ihr? Und kleine Unternehmen und Forscher zu fragen: Was haben wir?

Was fasziniert Sie daran?

Henking: Das Thema ist so dermaßen vielfältig, dass es extrem spannend ist. Ich bin eigentlich Physiker und hier kommt Sensorik ins Spiel, IT, Maschinenbau, unterschiedliche Themen, die miteinander verknüpft werden müssen, und das ist das Spannende. Sicherheit ist auch ein großes Thema. Und Aufbruchsstimmung.

Was wird in der maritimen Forschung wichtig in den nächsten fünf Jahren?

Henking: Ich glaube, die Vernetzung der einzelnen Technologien wird wichtig, auch als Zwischenschritte zum autonomen Schiff. Dabei ist Fernüberwachung auch ein wichtiges Thema. Das heißt, ein Matrose merkt, dass der Motor kaputt ist, ruft dann beim Dienstleister an, der stellt eine Verbindung zum Motorhersteller her, es gibt dann via Satellit eine Verbindung und der Servicetechniker kann übers Internet helfen und dem Matrosen sagen, was er tun soll, statt dass ein Servicetechniker aufs Boot kommen muss. Ein nächster Schritt wäre, das ist bereits eine Idee, das mit Virtueller Realität zu unterstützen. Dann kann der Techniker von zu Hause aus sehen, was der Matrose sieht und präzise Anweisungen geben: Da rechts die Schraube bitte drehen, zum Beispiel. Das ist ein Zwischenschritt zur Autonomie. Irgendwann sollte es dann natürlich so sein, dass es einen Sensor im Motor selbst gibt, der feststellt, irgendwas rappelt hier, da muss ich mal anrufen, damit wir im nächsten Hafen das passende Ersatzteil haben. Aber solche Schritte werden wichtig sein.

Was werden Sie nie gefragt, würden Sie aber gerne mal sagen?

Henking: In anderen Ländern wird das Thema ein bisschen mehr forciert als in Deutschland. In Norwegen zum Beispiel, in Finnland, USA, Korea. Hier in Deutschland gibt es viele Leute, die viel wissen und sehr kompetent sind, aber die bohren alle sehr dicke Bretter im Moment. Es ist nicht leicht, das Thema richtig zum Laufen zu bringen.

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